Die Dithmarscher Geschichte hört nicht mit 1500 auf!

Bei nicht so guten Winterwetter erkundete die SPD-Kreistagsfraktion zusammen mit dem Kreisvorstand Wege der neueren Geschichte in Dithmarschen. Unter fachkundiger historischer Leitung des Historikers  Martin Gietzelt, mit Unterstützung von Propst Crystall und Pfarrer em. Stein besuchte die Gruppe das Landesmuseum mit seiner Sonderausstellung zur NS-Zeit, die Neulandhalle im Dieksanderkoog, die Wirkungsstätte von Gustav Frenssen und die Gedenkstätte Gudendorf.

Angesichts der erschreckenden Wahlergebnisse – immerhin wählten zwischen 60 und 70 Prozent der Dithmarscher die Nazis in den 30iger Jahren des letzten Jahrhunderts - wurde den Sozialdemokraten verdeutlicht, dass Dithmarschen damals eine besondere Stellung einnahm. Dithmarschen als Vorzeigekreis der NS-Ideologie, Dithmarschen ein „Wallfahrtskreis“ für die NS-Handlungen, aber auch ein Beweis für Ideendiebstahl. Auch wenn die Eindeichung längst geplante Sache war, so nutzten die Nazis den Landgewinn als neuen NS-Lebensraum und stellten somit die Neulandhalle als NS-Wahrzeichen dar. Mit Altären, Ehrenhalle und Standbildern wurde sie im Sinne der Nazis herausgeputzt.

Der evangelische Kirchenkreis sichert diesen über die Grenzen Dithmarschens bedeutsamen Erinnerungsort. Es ist heute der evangelischen Kirche ein besonders wichtiges Anliegen, die Neulandhalle zu einer bedeutsamen Bildungs- und Diskussionsstätte für Demokratie, Toleranz, Antirassismus und Weltoffenheit, mit einem fortschrittlichen Bildungskonzept, besonders für die Jugend, weiter zu entwickeln. Dieses Ziel ist zu begrüßen und zu unterstützen.

Das kann die Kirche nicht alleine leisten. Deshalb laufen Verhandlungen auf Landes- und Bundesebene. Die SPD-Kreistagsfraktion wird die Bemühungen der Kirche hier aktiv unterstützen.

Außerdem besuchte dann die Kreistagsfraktion auch das Geburts-, Wohn-, Freizeit- und Arbeitshaus des Schriftstellers Gustav Frenssen in Barlt. Auch wenn Frenssen ein erfolgreicher Schriftsteller seiner Zeit war, so sind seine unmenschlichen und rassistischen Gedankengänge unübersehbar. Sehr deutlich wurde der Besuchergruppe, dass die Umbenennung von Straßennamen und Platzbezeichnungen unabwendbar sein müssen. Hier gibt keine Ausreden oder Rücksichten. Besonders deutlich wurde dann die menschenverachtende Strategie der Nazis in Gudendorf. Vom Krankenhausaußenlager ohne Anspruch auf Heilung und Rehabilitation zur Vernichtung von menschlichem Leben war es nur ein kurzer Schritt. Der Weg ins Reich der Toten und Verdammten war vorgezeichnet.

Die SPD – Kreistagsfraktion bedankt sich bei den fachkundigen Begleitern und wird sich weiter für die Erinnerungsorte in Dithmarschen einsetzen.

Wie gesagt: Die Dithmarscher Geschichte endet nicht bei der Schlacht bei Hemmingstedt, sie geht weiter und muss nicht nur erinnern sondern auch in die Zukunft weisen.
Detlef Buder, Febr. 2015

 
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